Nicht jede Idee ist ein Erfolg – und das ist in Ordnung

If you try and fail – congratulations. Most will not even try.

Die meisten meiner Korallenriffe entstehen spontan und ohne Planung. Ein erster Farbauftrag in Kombination mit Negativtechnik und loose Watercolor führt zu einer meist abstrakt gehaltenen Landschaftskulisse. Schon lange wollte ich allerdings testen, wie ich diese Spontanität mit einem detaillierten Vordergrund kombinieren kann.

Die heutige Szene war von Anfang an nicht als fertige Illustration gedacht. Eine simple Praxisübung und ein Test für mehrere Techniken. Das es am Ende auch nicht ganz zufriedenstellend geworden ist, stört mich daher kaum. Genau für diese Übungen nutze ich Skizzenbücher. Es sind die Stunden und Tage und Wochen, die ich damit verbringe, auf diesen Seiten einen Gedanken zu visualisieren, der schlussendlich zu einem Kunstwerk führt.

Dabei male ich nicht gedankenlos vor mich hin. Ich versuche, jede Skizze, jeden “Feldversuch” bestmöglich zu gestalten. Und ich meine hiermit nicht die simplen “heute habe ich Spaß”-Skizzen. Das ist tatsächlich gedankenloses vor sich hinmalen. Kreatives Abschalten, wenn du so möchtest.

Nein, ich rede vom Auskundschaften einer Idee. Dem Herausfinden von passenden Farbkombinationen, dem Lösen von eventuell auftretenden Problemen.

Und davon gab es in der heutigen kleinen Unterwasserlandschaft tatsächlich einige.

Es gab gleich drei Tests, die ich hier durchführen wollte. Im Nachhinein betrachtet wahrscheinlich zwei Tests zu viel, aber Motivation ist manchmal schwer zu zügeln 🤪

Test Nummer Eins: Eine neue Farbe. Winsor & Newtons “Neutral Tint”.

Eine hübsche und wie der Name schon sagt, neutrale Farbe. Neutral Tint kann unter anderem dazu benutzt werden, andere Farben zu entsättigen (also mehr in Richtung Grau zu bringen), was die genutzten Farben naturalistischer erscheinen lässt. Außerdem wirken die Farbtöne dann kohäsiver, also zusammenhängender. Ein wichtiger Punkt, der dafür sorgt, dass ein Bild stimmig, sprich, harmonisch aussieht.

Test Nummer Zwei: Loose Watercolor als Hintergrund, Gouache als Vordergrund.

Eigentlich nichts neues. Habe ich schon einmal erfolgreich getestet. Allerdings mit viel weniger Elementen. Korallenriffe bestehen aber nur selten aus einer Koralle (zum Glück).

Test Nummer Drei: Ein abschließender Farbauftrag in Cyan.

Im Prinzip ein weiterer Versuch, Harmonie ins Bild zu bringen. Ein (zarter!) Farbauftrag, der alle Elemente zueinander führt und wie eine Tönung zu verstehen ist. Und den Unterwassereffekt verstärkt.

Am Anfang steht wie immer die Skizze. Nichts großartiges, nur ein grobes Gerüst ohne Details, welches mir als Leitfaden dienen sollte.

Ich habe mich hier für sehr gedämpfte Farben entschieden, hauptsächlich eine Mischung aus Ultramarine, Burnt Sienna und Neutral Tint. Diese Kombination sollte mir später noch einiges Kopfzerbrechen bereiten. Du siehst durch die Wellung des Papiers, dass ich es gut genässt habe, um gerade am Anfang keine allzu harten Konturen zu bekommen. Meiner Meinung nach lebt Aquarell von der Kombination smoother Verläufe und harter Kanten an den richtigen Stellen.

Meistens warte ich nicht ab, bis das Papier getrocknet ist. Zum einen, weil dann immer noch an manchen Stellen die Farbe schön ineinander fließt (Obacht: Hier gilt es auf die richtige Mischung zwischen Wasser und Pigment zu achten!). Zum anderen, weil es sich hier um ein Skizzenbuch mit gerade einmal 180g/m² handelt und das Papier ohnehin sehr schnell trocknet.

Beim Gestalten habe ich mich ein bisschen an meiner Vorzeichnung entlang gehangelt, aber auch spontane Elemente eingebaut bzw. darauf geachtet, was das Aquarell beim Trocknen für Formen hinterließ. Diese Formen nutzte ich für weitere Elemente. Also auch trotz Vorzeichnung achte ich immer auf genügend Spielraum, um auf das reagieren zu können, was auf meinem Papier passiert 😉

Die meisten der Schatten sind durch Neutral Tint und ein angemischtes Schwarz entstanden (Mischung aus Ultramarine, Burnt Sienna und Alizarin Crimson).

Zeit für Gouache. Der erste Farbauftrag sieht immer ein bisschen wüst aus. Davon darfst du dich niemals abschrecken lassen! Die bekannte “ugly stage” kann sich lange in deinem Bild halten. Hier gilt es, geduldig weiter an den Elementen zu arbeiten.

Meine erste Fehlentscheidung an dieser Stelle war das Grün in der Mitte. Dieser Farbton hat sich sonst nirgends widergespiegelt und wirkte wie ein deplatziertes Leuchtfeuer auf mich. Auch der Rest der Farben war im Gegensatz zum eher gräulichen Hintergrund zu knallig. Zeit für den Test mit der blauen Tönung.

Hat ein bisschen geholfen und viele der Hintergrundelemente noch weiter nach hinten rücken lassen, was gut für die Tiefenperspektive ist. Aber so richtig doll zufrieden war ich nicht. Ich musste irgendwie einen Übergang zwischen diesen Farben schaffen…

… und entschied mich nach langem Hin und Her dafür, die Vordergrundfarben dem Hintergrund anzupassen, sprich, zu entsättigen. Das gesamte Riff hat dadurch einen eher düsteren Touch erhalten, den ich nicht beabsichtigt hatte. Aber lieber ein farblich stimmiges Bild als eines, das wie eine Kollision zwischen zwei zusammengestückelten Werken aussieht.

Der zweite Fehler waren diese sehr langweilig aussehenden pinken … Büsche? Mir fehlte hier Variation und auch die beinahe identische Größe der Elemente hat den ganzen Vordergrund super langweilig gemacht. Aber: An diesem Punkt malte ich ja mit Gouache, einem deckenden Medium 😉

Als erstes habe ich die langweiligen Formen übermalt und Variation in die Elemente gebracht. Ein “Busch” musste einer weiteren Anemone weichen. Der zweite bekam einfach eine sehr dunkle Geweihkoralle aufs Auge gedrückt und lugt nun nur noch so ein bisschen zwischen den Verästelungen durch.

Der dritte “Busch” befand sich vor meinem eh nicht so doll geworden grünen … Irgendwas … und ich wollte hier auf jeden Fall eine weitere Höhe ins Spiel bringen. Also entschied ich mich für eine Ansammlung von Schwämmen…

… und das war eine gute Entscheidung. Die Schwämme gefallen mir sehr gut. Außerdem musste das blaue Federding ganz vorne einem größeren violetten Federding weichen. Am Ende noch Highlights, Details und Schatten weiter ausgearbeitet, ein paar Fische ins Riff geworfen und et voilà!

Gerade die Fische sind ein unheimlich wichtiger Aspekt, wie ich immer wieder feststelle. Nicht nur, weil ein unbevölkertes Riff ein totes Riff wäre… Die Fische schaffen es, das ganze Bild zusammen zu fügen. Ich kann es nicht wirklich beschreiben. Aber dir fällt beim Vergleich zwischen den letzten beiden Fotos bestimmt auch auf, dass sich die Illustration dadurch verändert hat.

Du siehst, durch wie viele Phasen so eine Idee geht. Wie oft Dinge umgeworfen werden müssen, damit sie wenigstens halbwegs funktioniert. Und manchmal gelingt dir selbst das nicht.

Aber: Es ist nur eine Skizze. Eine kleine Landschaft, gemalt in ein Skizzenbuch. Eine Unterwasserszene, deren Farben und Komposition letzten Endes sehr viel Denkarbeit auslöste. Und zumindest nicht so wurde, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mit ein paar Tagen Abstand kann ich aber nun sagen, dass das Endergebnis doch gar nicht so “schrecklich” geworden ist.

Es gibt eine Vielzahl an Dingen, die ich in diesem Riff mag. Und darum geht es beim Lernen. Identifiziere, was dich anspricht und nimm das mit in dein nächstes Bild.

Mir gefällt zum Beispiel der Hintergrund. Auch wenn die Stimmung insgesamt zu düster geworden ist, die einzelnen Elemente, die Tiefenunschärfe und die Farbpalette an sich, sprechen mich an.

Die große Geweihkoralle auf dem Vorsprung und die Anemonen zu ihren “Füßen” und die Schwämme sind ebenfalls gut gelungene Elemente.

Ich habe herausgefunden, dass mich Neutral Tint als Farbe total begeistert. Und mein neuester Lieblingsfarbmix, der überall ganz dezent auftaucht: Eine Mischung aus Ultramarine, Burnt Sienna und Alizarin Crimson. Diese drei erzeugen ein herrliches, warmes Schwarz.

Das waren die positiven Aspekte. Und was will ich beim nächsten Mal ändern?

Erstens:
Zu Beginn mit weniger gedeckten Tönen den ersten Farbauftrag setzen. Du kannst zu knallige Farben später immer noch runterbrechen, aber eine graue Szene wird auch durch die spätere Zugabe von poppigen Farbtönen nicht viel lebendiger oder triftet gar ins cartoonige ab.

Zweitens:
Meine Vordergrund-Elemente benötigen mehr Planung.
Welche Farben?
Wie sieht der direkte Hintergrund aus?
Harmonieren die beiden miteinander?

Und zu guter Letzt: Den Spaß am Experimentieren nicht verlieren 😉


Das Ding ist, das wir unsere Kunst oftmals zu ernst nehmen. Wir haben falsche Erwartungen an uns selbst und üben damit Druck auf etwas aus, das gerade dann am wenigsten funktioniert: Unsere Kreativität.

Lass dich von einem vermeintlich missglücktem Versuch nicht entmutigen. Finde die Dinge, die dich begeistern und experimentiere weiter. Der große Vorteil, den du nämlich dann hast, ist: Du startest beim nächsten Mal nicht wieder bei Null 😉

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Hey! Ich bin Saskia,

Mixed-Media-Künstlerin aus Nordhessen. Wenn ich nicht gerade in meinem Studio sitze, findest du mich draußen in den Wäldern, bewaffnet mit Skizzenbuch und Kamera.

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