Zwischen November 2025 und März 2026 habe ich viel Zeit in meinen Skizzenbüchern verbracht. Seite für Seite haben sich neue Ideen, aber auch Experimente angesammelt. Und dabei hat sich eine (für mich) neue Farbe ganz langsam in mein Herz geschlichen: Kobaltblau.
Inhaltsverzeichnis
Neue Lieblingsfarbe
Erst durch meine Orca-Leinwand ist dieser Farbton überhaupt erst in mein Sammelsurium von Aquarellfarben eingezogen. Denn bei den Orcas, oder vielmehr dem Hintergrund, hat mich das Kobaltblau ziemlich begeistert. Nicht ganz so kalt wie mein heißgeliebtes Cerulean Blue (im Deutschen Coelinblau genannt), aber auch nicht so intensiv und warm wie Ultramarin. Und dadurch ergeben sich sehr schöne, natürliche Farbwelten.

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Ich bin schockverliebt.
Daher habe ich in meiner aktuellen Farbpalette das Ultramarin gegen das Kobalt ausgetauscht. Und weil diese neue Farbpalette natürlich gleich auch eine Einsatzmöglichkeit brauchte, habe ich sie in einem neuen Projekt eingesetzt (dazu dann im nächsten Blogbeitrag mehr).
Einen Test zu dem kommenden Motiv will ich dir an dieser Stelle allerdings nicht vorenthalten (auch, wenn dieses Motiv auf einem Block und nicht in einem Skizzenbuch entstanden ist 🙃):


Ugly Sketchbook?
Neben meinen kobaltblauen Spielereien war ich auch sonst noch ziemlich fleißig.
Wenn du mir schon länger folgst, dann weißt du, dass ich grundsätzlich in mehreren Skizzenbüchern gleichzeitig herumturne. Je nach Material, Motivgröße und auch Ambition. Meistens entstehen dort auch keine “richtigen” Motive. Ich nutze diese Büchlein beinahe ausschließlich, um Farbkombinationen und Motivideen zu testen. Oder Spaß zu haben.
Viele dieser Seiten sehen daher “messy” aus oder unfertig und das ist auch so gewollt. Warum sollte ich meine Energie bei jedem Malprozess in das Ausrendern von Details stecken? Das habe ich früher gemacht und dadurch habe ich viel weniger gemalt. Es hat sich oft anstrengend angefühlt, eher wie Arbeit und nicht wie Entspannung. Auch hat sich viel mehr Angst eingeschlichen, dass etwas nicht “perfekt” sein könnte.
Das ist auch eine der häufigsten Fragen, die mittlerweile in meinem Postfach auftauchen:
“Wie kann ich lernen, loszulassen?”
Und das ist ein verdammt schwerer Punkt. Ich denke nicht, dass es da ein Patentrezept gibt, denn wir sind alle unterschiedlich. Aber ich möchte dir als Hilfestellung an dieser Stelle mein “ugly Sketchbook” vorstellen:


Und ja, jeder empfindet “ugly”, also hässlich, anders. Persönlich finde ich diese Seite auch nicht hässlich. Sie ist ein Ausdruck meiner kreativen Spielerei.
Es geht auch gar nicht darum, ob auf diesen Seiten etwas hübsches oder eine mittelschwere Katastrophe entsteht, sondern um die Idee hinter dem “ugly Sketchbook”. Und die möchte ich dir hier kurz näher bringen.
Ein ugly Sketchbook ist meistens ein sehr günstiges Büchlein, damit die Hemmschwelle, da hinein zu schmieren, nicht so groß ist. Ich benutze hier ganz bewusst den Ausdruck “Hineinschmieren”, denn das ist die Intention, wenn du dich mit diesem Skizzenbuch an den Tisch setzt. Nicht “illustrieren”, nicht “zeichnen” – wir schmieren 😁
Denn das ist das Überwinden der zweiten Hemmschwelle: Du setzt dich nicht mit dem Plan, etwas zu erschaffen an die leere Seite. Dein ugly Sketchbook will nichts von dir, außer, dass du Farbe auf seinen Seiten verteilst. Der Gedanke ist nicht “Was soll ich heute malen?” sondern “Auf welche Farbe/welches Medium habe ich gerade Lust?”
Es ist ein bisschen wie beim intuitiven Malen. Eine Farbe drauf, dann mit einer anderen weitermachen, vielleicht das Medium wechseln und dann einfach schauen, wo dich die Reise hinführt. Vielleicht entsteht aus den Flecken nach und nach eine Landschaft? Oder eine Koralle, ein Vogel, ein Elefant… oder es bleiben Flecken. Es gibt keine Regeln.
Und das Beste: Dieses Skizzenbuch ist ein geheimes Skizzenbuch 😉 Etwas, dass niemand zu Gesicht bekommt. Wie ein kreatives Tagebuch.
Mir hat diese Herangehensweise sehr geholfen. Vielleicht kannst du ihr ja auch etwas abgewinnen 😃
Mein aktuelles ugly Sketchbook ist eigentlich fürs Zeichnen gedacht. 140g/m² Papier, das nie dafür ausgelegt war, dass da jemand mit nassen Medien drin herumspielt. Und genau deshalb habe ich es ausgewählt. Weil ein Papier, von dem ich nichts erwarten kann, mich auch nicht enttäuschen kann. Dazu hat es 7 EUR gekostet. Im DIN A3 Format! Perfekt! 🤪
Auf der obigen Seite habe ich erst mit verdünnten Acrylic Inks, dann mit Aquarellfarben, dann mit Buntstiften und Neocolor II gearbeitet. Das Papier hat gut durchgehalten. Es krumpelt zwar wie blöde, aber hey, who cares?
Unsere Skizzenbücher dürfen SO aussehen. Sie dürfen auch vollendete Werke und schön illustrierte Seiten enthalten. Alles darf, nichts muss 🙃
Der ganze Rest
Es sind in diesen fünf Monaten natürlich noch weitere Skizzenbuchseiten und kleinere Motive entstanden. Nachfolgend habe ich dir ein paar Eindrücke mitgebracht:
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Und natürlich gibt es auch immer mal ein paar Seiten, die ich mit Kritzeleien fülle. Dafür nutze ich am liebsten Marker in Kombination mit Buntstiften oder einfach nur Tuschestifte.
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Eine Sache, die ich schon vor ein paar Jahren kurz mal begonnen und dann aber wieder recht schnell aufgegeben hatte, war ein Reiseskizzenbuch. Meine eigene Erwartungshaltung hatte mir hier damals den Spaß genommen.
Anfang 2026 wollte ich dem Ganzen dann noch einmal eine Chance geben. Dafür habe ich mir auch vorgenommen, alles ein bisschen entspannter anzugehen. Statt ausgebuffter Motive liegt der Fokus auf kleinen Erinnerungen und ganz simplen Landschaften.
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Bisher sind diese drei Seiten entstanden und ich hoffe, dieses Jahr noch einige Male mit diesem kleinen Skizzenbuch an der frischen Luft zu verbringen.
Es gibt Monate, in denen ich mehr aktiv in meinen Skizzenbüchern bin und Monate, in denen ich kaum zwei Seiten gefüllt bekomme. Woran das genau liegt, kann ich gar nicht so richtig sagen.
Was ich aber sagen kann, ist, dass ich viel mehr Lust auf kleine Skizzen und unordentliche Kritzeleien habe, seitdem ich nicht mehr auf Instagram unterwegs bin.
Zum einen hat mich der ständige Input ausgebremst. Jeden Tag wurde ich mit den Werken anderer Kunstschaffender bombardiert und habe Vergleiche gezogen, die letztendlich nur in Selbstzweifeln endeten.
Und dann war da dieser Druck, immerzu auf Hochglanz polierte Werke vorzeigen zu müssen. Dadurch hatte ich mir in den letzten Jahren “verboten“, Zeit zu verschwenden. Und mit Zeitverschwendung meine ich in diesem Fall vor allem Skizzenbuchseiten, die nicht sonderlich ästhetisch waren. Denn die kommen einfach nicht gut an in der Onlineglitzerwelt.
Diese Seiten sind sind aber keineswegs Zeitverschwendung, im Gegenteil. Auf diesen Seiten lerne ich nämlich unglaublich viel. Über mich selbst, über mein Material, aber auch über die Dinge, die ich ansprechend finde und Teil meiner Kunst sein dürfen.
Eine Sache ist mir noch wichtig: Bitte betrachte das künstlerische Schaffen von anderen nicht als Maßstab für deine eigene kreative Routine. Im Internet lässt sich nämlich schnell der Eindruck gewinnen, dass man nur erfolgreich kreativ sein kann, wenn man regelmäßig in seinem Skizzenbuch aktiv ist.
Dabei stellt sich die Frage, ob du überhaupt eines brauchst.
Ich kenne genug Kreativlinge, die mit Skizzenbüchern nichts anfangen können. Die lieber Blöcke nutzen oder gleich auf losen Blättern malen. Mir persönlich gefallen die Bücher, weil ich gern durch meine eigenen Arbeiten blättere, Notizen und Ideen auf diese Weise gut sammeln kann und weil ich im allgemeinen kein Fan von losen Blattsammlungen bin.
Lass dich daher bitte nicht verunsichern, wenn Skizzenbücher nicht dein Ding sind und lebe deine Kreativität auf die Weise aus, die am besten zu dir passt.
