Zwei Leinwände auf Staffeleien. Beide zeigen Orcas im Meer, gemalt mit Acrylfarben.

Acrylmalerei – Mein erstes Leinwandbild seit Jahren

Seit knapp fünf Jahren spielt der Ozean in meiner Kunst eine sehr wichtige Rolle. Aber während ich beinahe täglich Korallen oder kleine Riffbewohner in meine Skizzenbücher male, haben sowohl Wale als auch Delfine bisher irgendwie wenig Aufmerksamkeit von mir bekommen.

Zeit also, das mal zu ändern.

Das Motiv

Warum ich mich dabei für Orcas entschieden habe, ist schnell erklärt: Der Auslöser für dieses Motiv war die Geburt eines kleinen Menschen, dessen Mama großer Orca-Fan ist.

☝️ Hinweis: Auf YouTube wurde ich darauf hingewiesen, dass Orcas keine Wale sondern Delfine sind. Was absolut korrekt ist. Delfine gehören allerdings biologisch gesehen zu den Zahnwalen. Daher scheint es wohl in Ordnung zu sein, sie sowohl als Delfin als auch als Wal zu bezeichnen. Wissenschaftlich korrekt wäre allerdings Delfin. Im Weiteren Verlauf werde ich daher auf die Bezeichnung “Wal” verzichten.

Die Komposition ist zugegebenermaßen nicht sonderlich originell – aber ich wollte es bei meinem ersten größeren Leinwand-Motiv jetzt auch nicht unnötig kompliziert machen.

Und was ich vorweg schon einmal gestehen kann: Ich habe das Malen mit Acryl wirklich vermisst.

Denn bis vor ein paar Jahren war dieses Medium meine ungeschlagene Nummer Eins. Seitdem ich aber Aquarell für mich entdeckt habe, mussten Leinwände und Acrylfarben ziemlich zurückstecken. Dieses Bild hat dafür gesorgt, dass ich wieder mehr Lust auf großflächige Werke habe. Denn das das Malen auf großer Leinwand mit deckenden Farben hat seinen ganz eigenen und besonderen Charme, wie ich finde.

Material

Ich gehe davon aus, dass die meisten schon einmal mit Acryl gemalt haben oder weitestgehend über dieses Medium Bescheid wissen, deswegen will ich hier gar nicht so sehr ins Detail gehen. Aber bevor wir mit dem eigentlichen Bild starten, möchte ich trotzdem mit dir einen ganz kurzen Abstecher in meine Farbauswahl werfen.

Folgende Farben sind zum Einsatz gekommen:
Titanweiß
Cerulean Blue (im Deutschen auch Coelinblau genannt)
Kobalt Blau
Ultramarin
Indigo
Paynes Grey
Deep Magenta
Kadmiumgelb Dunkel

An dieser Stelle wäre die Frage berechtigt, warum ich kein Schwarz verwendet habe.

Das hat einen ganz einfachen Grund: Wir sehen die Orcas nicht an der Oberfläche, schön ausgeleuchtet im Sonnenlicht, sondern durch einen Filter, nämlich das Wasser. Und hier kommt unser Paynes Grey ins Spiel. Denn diese Farbe ist nicht wirklich grau, aber auch nicht blau, sondern irgendwie was dazwischen. Würde ich bei den Orcas Schwarz nutzen, würden sie aufgesetzt aussehen und nicht mehr wie ein Teil ihrer Umgebung. Und das ist etwas, dass wir beim Malen verhindern wollen.

Und als persönliche Präferenz sei hier noch erwähnt, dass ich ungern Schwarz in meine Farben zumische, weil es dem ursprünglichen Farbton meistens seine Brillanz nimmt.

Als letzten Punkt in meiner Materialauswahl wäre dann noch ein Trocknungsverzögerer für Acrylfarben zu erwähnen, den ich beim Verblenden meines letzten Farbauftrags verwendet habe. Der sogenannte Acrylic Retarder ist farblos und sorgt dafür, dass deine Farben längere Zeit zum Trocknen brauchen, im Schnitt ca. um die 20 Minuten. Persönlich nutze ich den eigentlich nur bei großen Hintergrundflächen und auch nur in der letzten Farbschicht für den finalen Schliff.

Die Leinwand hier hat eine Größe von 30 x 40 cm und vielleicht ist dir aufgefallen, dass da vorher schon was anderes drauf war. Da ich zu dem Zeitpunkt, zu dem das Bild fertig sein sollte, keine andere freie Leinwand in der Größe mehr vorrätig hatte, bin ich da einfach mit einer Runde Gesso drüber gegangen, um wieder einen weißen Untergrund zu haben. Das ist bei Acryl zum Glück auch kein Problem.

Das Wellendebakel

Meinen Newsletter Leuten hatte ich vor ein paar Wochen gestanden, dass mir dieses Bild, vor allem die Wellen, einiges abverlangt haben. Ich habe nämlich noch nie zuvor Wellen “von unten” gemalt und durfte feststellen, dass ich hiervon überhaupt keine richtige Vorstellung hatte. Daher habe ich mal so ein bisschen vor mich hingewurschtelt und bin dabei irgendwo auch falsch abgebogen.

Denn im weiteren Verlauf habe ich einfach viel zu viel Weiß in meine Wellen eingemischt und dadurch wirkte auch insbesondere die Lichtstimmung wenig natürlich. Durch das Weiß wurde das Wasser nämlich einfach nur immer heller, aber nicht zum Leuchten gebracht. Wenn du das spätere Bild siehst, wirst du hoffentlich verstehen, was ich damit meine.

Und sicher wird es den ein oder anderen geben, der diese Wellen ansprechend findet. Aber mir persönlich sahen sie zu sehr wie aus einem Cartoon aus und haben mir auch viel zu viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aufmerksamkeit, die von meinen eigentlichen Hauptcharakteren, den Orcas, abgelenkt hätte. Denn helle Flächen und starke Kontraste ziehen den Blick eines Betrachters auf sich. Und den stärksten Kontrast sollten natürlich die schwarz-weißen Orcas liefern.

Du siehst mich hier übrigens mit ganz vielen dünnen Schichten arbeiten. Deswegen bevorzuge ich bei Acryl auch transparente Farben. Denn genau wie beim Aquarell entsteht auch beim Acryl die Tiefenwirkung erst, je mehr Schichten aufeinander aufbauen.

Das ist, glaube ich, auch einer der beliebtesten Anfängerfehler. Als ich vor Jahren das erste Mal mit Acryl gemalt habe, dachte ich, dass jeder Pinselstrich beim ersten Mal sitzen muss. Ich arbeite hier ja schließlich mit deckenden Farben. Ich wusste damals weder was vom Malen in Schichten noch von transparenten Farben. Stattdessen habe ich meine vermeintlich schlechten Kunstmaterialien für schuldig befunden, wenn der Farbauftrag wieder einmal fleckig wurde 😅

Lass dich da also bitte nicht entmutigen – auch bei Acryl arbeiten wir mit mehreren Schichten. Außer du malst Alla-Prima, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen.

Nachdem meine Wale dann soweit fertig waren, musste ich mich wieder um mein Wellendebakel kümmern. Denn ich konnte ja nicht die Wasserspiegelungen auf den Tieren darstellen, wenn ich nicht die richtige Lichtstimmung im Bild hatte. Reflektionen sind nämlich nie einfach nur weiß, sondern enthalten die Umgebungsfarbe. Ich hatte jetzt aber ganz wenig Lust, noch mehrfach über mein Motiv drüber zu malen, bis es endlich irgendwann mal passt. Was also tun?

Ein Umweg?

Wenn du mich schon länger kennst, dann weißt du, was jetzt kommt: Wir machen eine Farbskizze. Was ich im Übrigen hätte tun sollen, bevor ich an das eigentliche Motiv gegangen bin, aber sei’s drum.

Und jetzt machen wir auch noch einen ganz kurzen Abstecher in die Welt der Komplementärfarben 🤓

Wie erwähnt war der Fehler, den ich am Anfang oft gemacht habe, einfach Weiß einzumischen – aber damit wird eine Farbe einfach immer nur heller und verliert unter Umständen sogar ihre Brillanz. Das Wasser, also einen blauen Grundton, den wollte ich zwar heller, aber nicht weißer oder farbloser haben. Der Schlüssel ist, eine Farbe einzumischen, die das Blau zwar aufhellt, aber ohne ins Weiße abzudriften.

Und hier kommt Kadmiumgelb dunkel ins Spiel. Ein ins orange gehender Gelbton. Und was ist die Komplementärfarbe von Blau? Richtig, Orange 😉

Komplementärfarben geschickt eingesetzt, unterstützen sich gegenseitig, und sorgen dafür, wenn sie z.B. als Akzent eingesetzt werden, dass die Hauptfarbe, also unser Blau, so richtig zum Leuchten kommt. Und das bringt auch gleich mal eine wärmere Lichtstimmung mit sich.

Das Kadmium schiebt das Blau zwar ins Grün, aber grün liegt im Farbkreis gleich neben blau, was bedeutet, dass diese Farben auch harmonieren. Und mit einer harmonischen Farbpalette kann man grundsätzlich wenig verkehrt machen.

Und damit hatte ich Dank dieser kleinen zusätzlichen Leinwand einen Plan zur Rettung meines Motivs.

Das fertige Bild

Dann ging es nur noch darum, die Schritte von der kleinen Leinwand auf eigentliche Bild zu übertragen.

Und hier ist das fertige Motiv 😊

(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)


So viel Frust für ein so simples Motiv.

Aber ich bin dankbar: Schon lange nicht mehr wurde ich beim Malen derart herausgefordert und war auch dazu gezwungen gewesen, tatsächlich eine Lösung für Probleme zu finden. Wenn in der Vergangenheit etwas nicht geklappt hat, dann wurde halt die nächste Seite im Skizzenbuch aufgeschlagen oder was anderes gemacht. Aber Herausforderungen müssen ja per se nichts schlechtes sein. Und dieses Bild hat mir gezeigt, dass ich Herausforderungen auch brauche. Vor allem, um weiter wachsen zu können. Auch was Komposition bei solchen Motiven anbelangt.

Ich fand es nämlich auch schwierig, interessante Stellen in einem Bild zu schaffen, welches einfach nur ein riesiges Tier im weiten blauen Ozean zeigt. Denn das ist eigentlich nur über Bewegung und Licht möglich und das habe ich hier auch viel zu zaghaft umgesetzt. Deshalb ist vor kurzem auch ein ganzer Haufen neuer Leinwände bei mir eingezogen, damit ich an diesen „Problemzonen“ arbeiten kann.

Diese Orcas sind also definitiv nicht die letzten Meeressäuger, die ich dieses Jahr gemalt habe – ich freu mich schon auf das nächste Bild 😊

Aus Datenschutzgründen ist die Kommentarfunktion auf meinem Blog gesperrt. Wenn du mir zu diesem Beitrag eine Nachricht zukommen lassen möchtest, nutze gerne das Kontaktformular.

Hey! Ich bin Saskia,

Mixed-Media-Künstlerin aus Nordhessen. Wenn ich nicht gerade in meinem Studio sitze, findest du mich draußen in den Wäldern, bewaffnet mit Skizzenbuch und Kamera.

Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten:

inspired by the ocean - der Newsletter

Du willst noch mehr Einblicke in meine Kunst? Dann ist der Newsletter vielleicht genau dein Ding!

Nach oben scrollen

Privatsphäre Einstellungen

Cookie Consent mit Real Cookie Banner